Schulpolitische Bedingungen

In den letzten Jahren hat der Anteil der sonderpädagogischen Betreuung in den Grundschulen deutlich zugenommen. Gleichzeitig nahm die Zahl der Schüler in den Förderschulen ab.

 

Die UNO- Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen vom 30. März 2007 sieht vor, dass 90% der Behinderten im gemeinsamen Unterricht mit nicht behinderten Kindern unterrichtet werden. Die verstärkten Bemühungen in vielen Bundesländern, diesem Anspruch besser gerecht zu werden, führte zum Schulversuch „Inklusive Schule“

 

Gegenwärtig nehmen etwa ein Drittel aller Grundschulen in Potsdam und Potsdam Mittelmark an diesem Versuch teil. Die sonderpädagogische Betreuung in diesen Schulen ist so zu gestalten, dass die Umschulung in eine Förderschule nicht mehr notwendig wird. Dafür sind die derzeit gültigen Rahmenbedingungen genau festgelegt.                  

 

Problematisch wird die Situation dann, wenn neben dem sonderpädagogischen ein ausgeprägter sozialpädagogischer und / oder therapeutischer Bedarf besteht, der das gesamte Umfeld des Kindes betrifft. Kinder mit dissozialen oder ausgeprägten externalisierenden Persönlichkeitsstörungen können dieses System nachhaltig belasten und so den Erfolg der Schule in Frage stellen.

 

Obwohl sie im Unterricht die gesamte pädagogische und sonderpädagogische Aufmerksamkeit  binden kommt es immer wieder zu Abbrüchen und Störungen. In den Pausen entstehen soziale Spannungen und Konflikte, die das Lernklima belasten.

 

Die Anzahl dieser Kinder ist nicht sehr hoch. Deren Störungsbild stellt jedoch eine Gefährdung für ihre eigene Entwicklung und für den schulischen Erfolg anderer dar. Mit einer isoliert sonderpädagogischen Betrachtungsweise werden wir dem Problem nicht gerecht.

 

Psychologische oder sozialpädagogische Unterstützung erfahren diese Kinder und deren Familien oft nicht oder viel zu spät Die Zusammenarbeit mit den Familien spitzt sich zu und gegenseitige Schuldzuweisungen belasten das Klima zusätzlich.

 

Kinder mit sozial- emotionalen Störungen werden dort auffällig, wo sie soziale Beziehungen eingehen müssen. Das ist vorrangig die Schule.  Die Arbeit mit diesen Kindern kann aber nicht ausschließlich auf schulische Maßnahmen begrenzt sein, weil die Ursachen vielschichtiger sind. 

 

Wir werden diesem Problem nur dann gerecht, wenn wir multiprofessionelle Interventionen im schulischen Alltag organisieren. Dazu wird institutionalisierte Zusammenarbeit zwischen den Ämtern notwendig.

 

Wenn wir absichern wollen, dass auch Kinder mit sozial- emotionalen Auffälligkeiten ihren Platz in einer unbelasteten, lernorientierten Schulatmosphäre der Regelschule finden, müssen wir diese Störung ganzheitlich betrachten und abgestimmte Maßnahmen ganzheitlich ausrichten.

 

Dies muss vor der Manifestierung der Störung erfolgen. Dafür wird ein Zentrum zur Förderung von Kindern mit sozial- emotionalen Störungen zwingend notwendig.